Zeittafel des Schützenfestes

1940-1947
Das Schützenfest fällt wegen des Zweiten Weltkriegs aus.

1940 + 1941
Der Neusser Bürger-Schützen-Verein versendet eine kleine Schrift an seine Soldaten in der Ferne.

August 1945
Ende des Monats, am historischen Schützenfesttermin, findet eine erste Zusammenkunft alter Komiteemitglieder statt.

1946
Ein neues vorbereitendes Komitee, in dem Albert Vellen die Leitung übernommen hat, trifft sich am 24.08.1946 mit Vertretern der Stadtverwaltung auf dem Rheindampfer "Frieden", auf dem eine Kapelle zu Neusser Schützenfestliedern aufspielt. Auf dem Markt findet am 25.08.1946 ein Platzkonzert der Kapelle Rennefeld statt.

1947
Erstmals nach den Schreckensjahren der Nazi-Diktatur dürfen sich Chargierte in Uniform in der Öffentlichkeit zeigen, jedoch ohne Musik und ohne Waffen. Sie ziehen in einem Schweigemarsch vom Rathaus zum Quirinus-Münster, wo ein festlicher Gottesdienst gefeiert wird. Bei allen Wünschen und Hoffnungen gedenken die Schützen und ihre Familien erst einmal der verstorbenen Angehörigen, Freunde und Schützenkameraden, ein vorschützenfestlicher Aufruf appelliert an die Neusser, "zum Schützenfest nicht nur alle Freuden, sondern ebenfalls alles Leid miteinander zu teilen".

1948
Die Besatzungsmacht erlaubt ein größeres Fest als im Vorjahr. Komitee, Korpsführer, Adjutanten und die Chargierten dürfen mit Musik, aber immer noch ohne Säbel marschieren. Am Nachmittag des Schützenfestsamstag findet mit der Armbrust auf dem Pfauenhof im Hammfeld das Königsschießen statt. Am Samstagabend zieht wieder ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt, dem Schützenhochamt folgt am Sonntagmorgen mit klingendem Spiel eine Parade der Chargierten, die sich zu Marschblöcken formieren. Der englische Kommandant, offenkundig vom schützenfestlichen Treiben beeindruckt, stellt schon jetzt seine Genehmigung zur Abhaltung des Schützenfestes für das kommende Jahr in Aussicht.

1949
Das schützenfestliche Programm normalisiert sich, es wird gefeiert fast "wie in alten Zeiten". Ministerpräsident Karl Arnold ist Ehrengast des Schützenfestes.

1950
Auf Anregung einiger Komiteemitglieder wird die ''Schützenlust'' wieder begründet, beim Schützenfest 1951 marschiert nie wieder mit.

1951
Ein Höhnes (Blumenhornträger) aus dem Jägerzug ''Hermann Löns'' ist Schützenkönig; erstmals findet aus diesem Anlass während der Parade ein gemeinsamer Aufmarsch der Höhnesse statt.

1952
Die Chargierten dürfen wieder Säbel und Degen tragen, statt mit der Armbrust wie in den Vorjahren darf nun wieder mit einer Flinte auf den Königsvogel geschossen werden.

1953
Das Reitercorps feiert sein 125jähriges Bestehen, Präsident Vellen heftet einen goldenen Kranz an die Standarte des Reitercorps; Ministerpräsident Arnold und ein aus Neuss stammender Minister seines Kabinetts, der auch Komiteemitglied ist, stiften für die Fest- und Regimentsfahne ein grün-weiß-rot-seidenes Inschriftband. Der Krönungsball wird von dem Sonntag auf den Samstag nach dem Schützenfest verlegt; Grund ist die Bundestagswahl 1953. Beim Samstagstermin verbleibt es (1882 war der Krönungsball von mittwochs auf den nachfolgenden Sonntag verlegt worden).

1954
Joseph Lange erstellt zum Sommer im Auftrag des Komitees ein Liederbuch, das - so das Vorwort von Joseph Lange - neben "eigentlichen Schützenliedern [...] auch allgemeine vaterstädtische Lieder" enthält, "die erste geschlossene Sammlung Neußer Lieder".

1955
Schützenkönig Hermann Wilhelm Thywissen schenkt dem Neusser Bürger-Schützen-Verein als Königsgeschenk eine Königsstandarte, die seitdem dem Schützenkönig vorangetragen wird.

1959
Es gibt nur einen einzigen Königsbewerber, Joseph Lange, Stadtarchivar, späteres Komiteemitglied und Historiker des Vereins, nach dem 2004 das Rheinische Schützenmuseum Neuss mit Joseph-Lange-Schützenarchiv benannt wird.

1960
Schützenkönig Lange stiftet als Königsgeschenk ein Glasfenster und regt an, es in ein Schützenhaus, ein Schützenmuseum zu integrieren. Oberst Tilmes verstirbt während des Fackelzuges. Die sonntägliche Parade fällt wetterbedingt aus, eine Parade wird beim Nachmittagsfestzug nachgeholt.

22.07.1961
Die neue Stadthalle wird erstmals zur Versammlung der Bürger und Bürgersöhne schützenfestlich genutzt.

1962
Die im 1961 wiederbegründete Schützgilde nimmt am Schützenfest teil.

1970
Die Generalversammlung beschließt, dass das Schützenfest grundsätzlich am letzten Sonntag im August stattfindet, aber für traditionsbewusste Neusser blieb und bleibt es dabei: "Bartholomäus setzt die Kirmes", das Schützenfest ist nun eben immer am Sonntag nach Bartholomäus, auch wenn dieses Apostelfest auf einen Sonntag fällt (früher dann an diesem Wochenende).

1972
Das Schützenfest wird wegen der Olympischen Spiel in München acht Tage vorverlegt.

1973
Die Stadt schenkt dem Neusser Bürger-Schützen-Verein zur 150-Jahrfeier ein Schützenglockenspiel, das im Sommer 1975 fertig gestellt ist und seitdem den Giebel des Vogthauses am Münsterplatz ziert.

1973
Letztmals findet der Sonntagsabendumzug statt, für die Zukunft wird er aus dem Programm genommen.

1974
Erstmals wird im Rahmen des Sonntagsprogramms (bei der Abholung von Schützenkönig, Komitee und Ehrengästen am Rathaus zum Festhochamt im Münster) der Name des Schützenkönigs auf dem Plakat abgedruckt.

06.01.1984
Gründung des Schützenlustzuges Klävplostere

1987
Die Totenehrung auf dem Markt, die in der Nachkriegszeit nach dem Schützenhochamt stattgefunden hat, wird auf den Samstagnachmittag verlegt. Dies strafft die sonntäglichen Zeitabläufe, es nehmen außerdem viel mehr Neusser als bislang hieran teil. Die Nähe der Totenehrung zum "Freut Euch des Lebens" macht deutlich, wie eng Freud und Leid beieinander liegen können und dass man bei aller schützenfestlichen Freude die verstorbenen Angehörigen, Freunde und Schützenkameraden nicht vergisst.

1989
Erstmals nimmt die Schützenkönigin an einem schützenfestlichen Umzug teil; sie begleitet am Festzug des Dienstagnachmittags den Schützenkönig und sitzt mit ihm, dem Präsidenten und dem Bürgermeister in der ersten Kutsche. In weiteren Jahren kann die Schützenkönigin –dies ist ihr freigestellt– auch bei weiteren Nachmittagsumzügen teilnehmen.

1992
Hermann Wilhelm Thywissen, Rechtsanwalt und Fabrikant, Oberbürgermeister (1982-1987) und Ehrenbürger der Stadt Neuss, seit 1952 Mitglied des Komitees des Neusser Bürger-Schützen-Vereins und seit 1961 dessen Präsident wird zum Ehrenmitglied mit dem besonderen Titel "Ehrenpräsident" ernannt. – Die Grenadiere feiern zum ersten Mal ihren Patronatstag zu Ehren Mariens.

20.08.1995
Ein Schützenportal am Quirinus-Münster (Südwestportal) mit zahlreichen Darstellungen aus dem Schützenwesen und seinen Heiligen aus der Hand des Kölner Bildhauers Elmar Hillebrand wird feierlich der Münsterpfarre und den Neusser Bürgern übergeben. Die Idee zu diesem Portal gab Oberpfarrer Msgr. Dr. Schelauske (Münsterpfarrer bis 2006), die Finanzierung wurde sichergestellt durch Spenden Neusser Bürger, vor allem der Quirinus-Schötzejeselle und des Ehrenpräsidenten Thywissen.

1995
Die Vereinigung der Heimatfreunde veranstaltet im Ratsaal ihren ersten Vortragsabend "Schützenfest für Anfänger", der sich seitdem großer Resonanz erfreut, nicht nur von Seiten der Schützenfestanfänger, sondern auch seitens altgedienter Schützen und Schützenfrauen.

1997
Der WDR überträgt in seinem 3. Fernseh-Programm live die Königsparade, ebenso 1998 und 1999 und wiederum 2003 bis 2005 (2005 allerdings zeitversetzt am Nachmittag).

1998
Der Bürger-Schützen-Verein feiert sein 175jähriges Bestehen. Es erscheint (nach 1973) in nunmehr stark erweiterter und aktualisierter Auflage das Werk "Bürger und Bürgersöhne" von Joseph Lange zur Geschichte des Neusser Bürger-Schützen-Vereins.

Mai 2000
Zahlreiche Schützen nehmen aus Anlass des 950jährigen Jubiläums der Überführung der Gebeine des heiligen Quirinus nach Neuss an einem Festzug und einem feierlichen Gottesdienst im St. Quirinus-Münster teil.

27.08.2000
Die Parade wird wegen starken Dauerregens am Sonntag-Vormittag abgebrochen; auch der Festumzug am Sonntagnachmittag wird aus Wettergründen abgesagt.

14.08.2004
Der amtierende Schützenkönig erklärt wegen anhaltender Diskussionen um seine Person zum Königsehrenabend (15.08.2004) seinen Rücktritt. Am Schützenfest wird die Parade daher nur vom Komitee und den Ehrengästen abgenommen (wie 1912).

19.08.2004
Das Rheinische Schützenmuseum Neuss mit Joseph-Lange-Schützenarchiv wird im Haus Rottels offiziell eröffnet. Das Haus Rottels ist das frühere Wohnhaus der Unternehmer-Familie Rottels, für die es der Neusser Baumeister Stephan Hermkes, eine Zeit lang selbst Mitglied und Rendant des Komitees, in den 20er Jahren des 19. Jhdt. plante und errichtete.

2005
An der Vogelstange findet sich nur ein Königsbewerber (wie 1959), Karl-Theo Reinhart.

2006
Die Parade muss wegen eines starken Regenschauers kurz unterbrochen werden. Auch viele andere Festzüge werden durch das nasse Wetter beeinträchtigt. Das Königspaar lässt sich hierdurch seine Begeisterung nicht nehmen.

07.02.2007
Joseph Lange, Stifter, Namensgeber und Mitgründer des Rheinischen Schützenmuseums mit Joseph-Lange-Schützenarchiv, weit über die Stadtgrenzen anerkannter Nestor der Neusser Geschichtsschreibung, Ehrenmitglied des Schützen-Vereins, Schützenkönig 1959/1960 verstirbt im Alter von 95 Jahren.

25.07.2007
Die Neusser Scheibenschützengesellschaft von 1415, bis zum Ende des 18. Jhdt. Sebastianus-Bruderschaft, seit Beginn des 19. Jhdt. dem Patronat des Hl. Jakobus d.Ä. unterstellt, stiftet an ihrem Patronatstag den Neussern eine Skulptur des pilgernden Apostels Jakobus des Künstlers Bert Gerresheim. Sie wird nahe des Quirinus-Münsters auf dem Freithof aufgestellt.